Rollover Button Image by FreeButtons.org v2.0






ImpressumDatenschutz

5.5.24: Frühlingswanderung

Um 10 Uhr begrüßten Anja Kolbatz-Thiel, Organisatorin des Heimat- und Kulturvereins, und Wolfgang Purann die 38 Wanderfreunde zur jährlichen Frühlingswanderung, diesmal ca. 8 km lang, am Bahnhof. Die erste Strecke führte uns bis zur Dorfaue mit dem Dorfteich, an dem sich bereits im 2. Jahr eine Nilgansfamilie angesiedelt hat. Ursprünglich in Afrika beheimatet, haben sie nach Ausbrüchen aus der Gefangenschaft in den Niederlanden auch inzwischen bei uns ihre neue Heimat gefunden.
Weiter ging es vorbei am Zollstockmuseum, der alten Kastanie und dem Kalenderhaus bis zur ca. 700 Jahre alten Dorfkirche. Von hier war der Weinhang am Mühlenberg nicht weit. Leider hatte auch hier der Frost Spuren hinterlassen, aber die Reben werden wieder neu austreiben, nur wird der Ertrag nicht so üppig ausfallen wie im letzten Jahr. Den Generationenwald und die Nachbildung unserer alten Bockwindmühle, die 1375 erstmals im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt wurde und 1901 abbrannte, streiften wir lediglich.
Vorbei am Bestwaner Hotel/Gaststätte und entlang des Triftwegs kamen wir am 1893 errichteten Friedhof Nord vorbei und überquerten schließlich die B 246. Weiter ging es auf dem Feldweg der Mittenwalder Straße bis zu den ersten Grundstücken des Sommerweges. In diesem Bereich erfolgten 2005 und 2007 Ausgrabungen, die belegten, dass dort schon vor ca. 2.000 Jahren Menschen lebten. Schließlich erreichten wir die Karl-Liebknecht-Straße und wanderten bis zum hinteren Eingang des Campingplatzes am Kiessee. Bernd öffnete uns das Tor und so umrundeten wir den idyllischen 1. Kiessee, bis wir unseren Picknickplatz am "Tempel" erreichten. Roger, Marion und Janett erwarteten uns mit leckeren Bratwürsten, selbst gebackenen Kuchen und Getränken aller Art. Ein großes Dankeschön dafür!
Jetzt kam die Zeit für Manfred Prosch, den Eigentümer des Campingplatzes, den er nach der "Wende" übernahm. Er schilderte uns anschaulich, mit welchen Schwierigkeiten und bürokratischen Hürden er zu kämpfen hatte, um nach der Übereignung mit der Weiterentwicklung des Campingplatzes zu beginnen. Bereits zu DDR-Zeiten gab es den Platz, aber erst mit dem neuen Besitzer wurde er durch viele Investitionen und Eigenleistungen zu einem modernen Campingplatz.
Wie begann die Entwicklung dieses Gebietes? Eine Zeitungsmeldung gibt Aufschluss über den Beginn des Kiesabbaus im Jahre 1901: „Klein-Besten, 7. Mai: Das bereits vor 2 Jahren von mehreren hiesigen Besitzern erworbene 60 Morgen große Kieslager wird jetzt ausgebeutet. Die Aufstellung einer Dampfmaschine hat vor 8 Tagen stattgefunden und mit der Abfuhr von Kies nach Motzen ist gleichfalls begonnen worden. Der Besitzer des Kieslagers Herr Leibnitz -Berlin hat einen 3 km langen Schienenstrang bis zum Motzener See legen lassen.“
Erst ca. 10 Jahre später wurde der Schienenstrang zur Bahnstrecke Berlin-Görlitz verlegt. Die Streckenführung verlief parallel zur Karl-Liebknecht-Straße über die Motzener, entlang der Eichhornstraße, überquerte die Rathenaustraße und erreichte den Anschluss an die Hauptbahnstrecke nördlich des Klein Bestener Bahnübergangs.
Interessante Funde erschienen beim Ausbaggern der Grube. So lesen wir z.B. in der Klein Bestener Schulchronik: "Am 20.9.1921 gab es einen Ausflug der Klassen nach Berlin zur Besichtigung des Märkischen Museums, wo der einige Wochen vorher aus der Klein Bestener Kiesgrube herausgebaggerte Unterkiefer eines Mammuts ausgestellt war."
Ein Problem war offenbar die Lagerung des Abraums. Hermann Schulze schrieb dazu in seiner Klein Bestener Chronik, dass die Kieswerke 1926 vom Besitzer des Klein Bestener Sees, Herrn Krumbach, einen Teil des Klein Bestener Sees abkauften. Es war eine Fläche im südlichen Bereich von 60 x 200 m, den sie mit dem Abraum, „welchen sie aus ihrem Kieslager mit einer kleinen Lokomotive und 2 Kubikmeterloren hin transportierten“, auffüllten. Ein Teil des Abraums wurde aber auch direkt neben der Grube abgelegt.
Die Gleise der Kleinbahn von der Klein Bestener Kiesgrube bis zum Hauptgleis Berlin-Görlitz hatten vermutlich bis zum Beginn des 2. Weltkrieges Bestand. Im Krieg, so erinnerte sich Ernst Schäricke, wurde Kies auf vermutlich eroberten englischen Lastwagen nach Berlin transportiert, mit dem dort Bunker gebaut wurden. Nach dem Krieg ruhte der Abbau von Kies einige Jahre, und wurde vermutlich 1952 als Betriebsteil der Bau-Union Potsdam in einer 3. Grube (der nördlichsten) wieder aufgenommen. Der Kies wurde auch jetzt per Lastwagen („Dumper“) über die Rathenaustraße und vor der Schule zu einer Bahn-Verladeeinrichtung nördlich des Klein Bestener Bahnübergangs transportiert. Hauptsächlich soll dieser Kies zum Bau der Gebäude der Berliner Stalin-Allee verwendet worden sein.
Hermann Tröster schrieb 1961 in seiner Diplomarbeit über Bestensee: „Die Produktion  wurde von sieben Arbeitskräften pro Schicht mit Hilfe eines veralteten, durch Dampfkraft angetriebenen Eimerkettenbaggers und der dazugehörigen Feldbahn vorgenommen. ... Pro Schicht wurden etwa 120 m³ Kies gefördert. ...“
Später wurde der Betrieb dem Rat des Kreises unterstellt und beendete dort auch seine Arbeit. Über das Ende des Kiesabbaus gibt es unterschiedliche Aussagen. Einerseits soll nach dem Umkippen eines Förderbaggers ca. 1960 der Abbaubetrieb eingestellt worden sein, andererseits gibt es die Aussage, dass die Kiesqualität wegen zu hohen Braunkohleanteils immer schlechter wurde und deswegen der Betrieb in den 1970ern eingestellt wurde.
Danach füllten sich auch diese Gruben mit Grundwasser und sind heute beliebte Bade- bzw. Angelgewässer und Standort des großen Campingplatzes, der von Manfred Prosch geleitet wird.
Nach unserer Stärkung und den interessanten Ausführungen von Manfred Prosch machten wir uns auf den Weg zur 2. Hälfte unserer Wanderung. Vom vorderen Eingang des Campingplatzes gingen wir über die Motzener Straße bis zur Köriser Straße und dem 1892 errichteten Friedhof Süd und einer ehem. Lehmgrube, zu der Wolfgang Gloeck noch einiges berichten konnte. Schließlich erreichten wir die Eichhornstraße, benannt nach dem Politiker Erich Eichhorn in der Weimarer Republik, vorbei am Rathaus und der Feuerwehr. Nach Überqueren des Bahnübergangs und einem Stück entlang der Thälmannstraße bogen wir in den Kiefernweg ein, der an einer kleinen Badestelle am Pätzer Vordersee endete. Über einen Wanderweg, der uns durch Wald und über einen Uferweg führte, erreichten wir das riesige Baugebiet des Wustrockens. Vorbei an den unzähligen neuen Häusern erreichten wir die Franz-Mehring-Straße und kamen bald daruf wieder an unserem Ausgangspunkt, dem Bahnhof, an.
Ein großes Dankeschön an unsere Wanderfreunde, mit denen es wieder Spaß gemacht hat, und vielleicht auf ein Wiedersehen am 13. Oktober zur Herbstwanderung. Danke auch an unsere fleißigen Helfer und Anja für die Organisation.

Zum Vergrößern die Vorschaubilder bitte anklicken, dann startet eine Diaschau, die auch angehalten und manuell vor- oder rückwärts geschaltet werden kann.

Begrüßung am Bahnhof von Anja Kolbatz-ThielBegrüßung am Bahnhof von Anja Kolbatz-Thiel Am DorfteichAm Dorfteich Nilgans am DorfteichNilgans am Dorfteich Vor der ca. 700 Jahre alten DorfkircheVor der ca. 700 Jahre alten Dorfkirche Am Weinhang des MühlenbergsAm Weinhang des Mühlenbergs IMG_20240505_103231aIMG_20240505_103231a 24-05-05_02671a24-05-05_02671a An der Gaststätte/Hotel Bestwaner ging es vorbeiAn der Gaststätte/Hotel Bestwaner ging es vorbei Ein Baumgrab auf dem Friedhof NordEin Baumgrab auf dem Friedhof Nord Die halbanonyme GrabstätteDie halbanonyme Grabstätte 24-05-05_02679a24-05-05_02679a Wiesenweg der Mittenwalder StraßeWiesenweg der Mittenwalder Straße 24-05-05_02690a24-05-05_02690a 24-05-05_02693a24-05-05_02693a 24-05-05_02696a24-05-05_02696a Am SommerwegAm Sommerweg KiesseeKiessee Am Campingplatz KiesseeAm Campingplatz Kiessee KiesseeKiessee 24-05-05_02711a24-05-05_02711a 24-05-05_02712a24-05-05_02712a 24-05-05_02716a24-05-05_02716a IMG_20240505_113549aIMG_20240505_113549a 24-05-05_02718a24-05-05_02718a IMG_20240505_123418aIMG_20240505_123418a IMG_20240505_114417aIMG_20240505_114417a Ankunft am 'Tempel' zum PicknickAnkunft am 'Tempel' zum Picknick 24-05-05_02722a24-05-05_02722a 24-05-05_02723a24-05-05_02723a 24-05-05_02740a24-05-05_02740a Danke an Janett, Roger und Marion für die BewirtungDanke an Janett, Roger und Marion für die Bewirtung Manfred Prosch berichtet über die Entstehung der Kiesseen und des CampingplatzesManfred Prosch berichtet über die Entstehung der Kiesseen und des Campingplatzes 24-05-05_02742a24-05-05_02742a 24-05-05_02760a24-05-05_02760a 24-05-05_02766a24-05-05_02766a IMG_20240505_123433aIMG_20240505_123433a Unsere Wanderfreunde am KiesseeeUnsere Wanderfreunde am Kiesseee 24-05-05_02771a24-05-05_02771a Weiter geht es zur Köriser StraßeWeiter geht es zur Köriser Straße Der Duft zahlreicher Maiglöckchen begleitete unsDer Duft zahlreicher Maiglöckchen begleitete uns Am Friedhof SüdAm Friedhof Süd 24-05-05_02783a24-05-05_02783a Auf der EichhornstraßeAuf der Eichhornstraße RathausRathaus Bahnübergang RathenaustraßeBahnübergang Rathenaustraße Kleine Badestelle am Pätzer VorderseeKleine Badestelle am Pätzer Vordersee 24-05-05_02791a24-05-05_02791a Wanderweg Richtung WustrockenWanderweg Richtung Wustrocken 24-05-05_02797a24-05-05_02797a Uferweg am WustrockenUferweg am Wustrocken Blick auf den Pätzer VorderseeBlick auf den Pätzer Vordersee Im WustrockenIm Wustrocken
.